Hallo Hanau

hanau

Obwohl Hanau nur einen Katzensprung von Frankfurt entfernt ist verirrt sich doch eher selten jemand aus der Mainmetropole dorthin. Umgekehrt hat von der Handvoll Menschen, die ich aus Hanau kenne, nur ein einziger die Stadt in den letzten zehn Jahren dauerhaft verlassen. Dafür muss es einen Grund geben, denn auf den ersten Blick sprüht die Geburtsstadt der Brüder Grimm nicht gerade vor Charme. Den beiden Herren verdankt die Stadt zumindest ihre überregionale Berühmtheit und die Märchenfestspiele, die jeden Sommer tausende Besucher anlocken. Die Festspiele werden vor der Kulisse des Schloss Philippsruhe in Kesselstadt aufgeführt, dessen Schlosspark das ganze Jahr über einen Besuch wert ist. Auf dem Weg dorthin kommt man an der Teestube im Alten Fischerhaus (in der Mittelstraße 2) vorbei. In einem winzigen Fachwerkhäuschen kann man es sich dort mit einem Stück selbst gebackenem Kuchen und einer der zahlreichen Teesorten in einer urigen Stube oder in dem bunten Garten gemütlich machen. Zu ausgewählten Zeiten gibt es dort auch Frühstück (welches noch getestet werden will).

Danach bietet sich ein Spaziergang am Wasser an. Direkt gegenüber kann man stadtauswärts den Main entlang gehen und hat nach einer knappen halben Stunde von der Staustufe Mühlheim einen fantastischen Blick auf die Frankfurter Skyline. Stadteinwärts läuft es sich schön an der Kinzig, die nach ungefähr der gleichen Zeit auf den Schlossgarten (nicht zu verwechseln mit dem Schlosspark) trifft. Von hier aus gelangt man direkt in die Altstadt, die anderen hessischen Städtchen mitsamt Kopfsteinpflaster, verwinkelten Straßen und natürlich den obligatorischen Fachwerkhäusern in nichts nachsteht. Hier wird jeden Sommer das Lamboyfest ausgerichtet. Weiter am neuen Forum (der Grund, warum die Hanauer jetzt nicht mal mehr nach Frankfurt fahren müssen) vorbei kommt man quasi automatisch auf den Marktplatz, wo mittwochs und samstags ein schöner Wochenmarkt stattfindet. Das Besondere: Die Stände werden nachts aufgebaut und ab 2 Uhr kann man sich hier zum Cheeseburger essen einfinden.

Wer nicht so lang warten will kommt eine Straße weiter im Laden auf seine Kosten. Hier gibt es auch zwei vegetarische Varianten und zahlreiche Toppings. Dazu schmeckt am besten die hausgemachte Limo oder der Eistee, aber auch für Gin-Liebhaber und Freunde ausgefallener Kreationen (ich erinnere mich da etwa an Mango-Kardamom) gibt es einiges auf der Karte. Abgesehen davon ist die Barlandschaft in Hanau leider karg, aber so bleibt auch mehr Energie um am Tag darauf die Alte Fasanerie oder das historische Steinheim zu erkunden. Wer viel Zeit hat kann auch ein Stück auf der Märchenstraße reisen, die hier beginnt – und in Bremen endet. Quasi nur einen Katzensprung von Hamburg.

One Reply to “Hallo Hanau”

  1. Rudolf-Friedrich sagt: Antworten

    Schön, daß an dieser Stelle die „Teestube im alten Fischerhaus“ erwähnt wurde.
    Sie ist eine der immer rarer werdenden Oasen in einer durchgestylten Welt.
    Sie ist kein Trendy- und SchickiMicki Ort, kein Parkplatz für Porsche & Co.,
    kein Treffpunkt dieser „Mein Boot, mein Haus, mein Frau, meine Freundin“ -Generation,
    sondern ein Ort der Ursprünglichkeit, des Humors und der Phantasie.
    Auch die Lesungen, die in regelmäßigen Abständen von unterschiedlichen Autoren vor
    einem interessierten Publikum im kleinen Rahmen gehalten werden, sind hörenswert.
    Allerdings nur Belletristik, Prosa und Lyrik, denn alles andere haben wir ja mittlerweile
    im Alltag von frühmorgens bis in die späte Nacht zur Genüge!

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