Babbeln, schnacken, gruseln

ffm

Die unverschämt lange Blogpause ist neben dem üblichen Vorweihnachtswahn dem Versuch geschuldet in Frankfurt nicht nur gemütliche Cafés durchzutesten, sondern auch einen Job zu ergattern. Wenn man davon berichtet bald Hansestadt gegen Mainmetropole tauschen zu wollen, dauert es meist nicht lang bis die Sache mit der Sprache, nun ja, zur Sprache kommt. Die Allgemeinheit scheint sich einig zu sein, dass Norddeutsch eher ziemlich cool ist und Hessisch eher gar nicht geht (wobei sich diese Allgemeinheit momentan vornehmlich aus Menschen nördlich der Elbe zusammensetzt).

Dazu eins gleich vorweg: Hessisch gibt es gar nicht. Das was „Auswerddische“ aus dem Fernsehen kennen wird als Neuhessisch bezeichnet und zählt wie die Handvoll ursprünglicher Mundarten zu den rheinfränkischen Dialekten. Sollte man also einem Frankfurter erzählen wollen, er spreche Hessisch, kann man froh sein, wenn einem nur mit der altbekannten Ruppigkeit begegnet wird. Vermutlich wird „dribbdebach“ auch schon anders gesprochen als „hibbdebach“, aber spätestens in Offenbach hört es auf (sowieso).

Ich bin gerade dabei meinen Frieden mit dem Dialekt zu schließen, den ich in der Grundschule überhaupt erst aufschnappte und der zuhause direkt wieder mühsam ausgebügelt werden musste. Ein paar fiese Falten blieben bis zum Studium drin, doch nach dem ersten Semester in Hamburg hörte erstmal niemand mehr so schnell wo ich herkam. „Du bist doch auch aus Hamburg?“ galt als Kompliment und die Tatsache, dass ich die plattdeutschen Harry Potter-Hörbücher problemlos verstand als heimlicher Triumph. Doch mit den zahlreichen Besuchen in Hessen bröckelt langsam die hanseatische Fassade. Der eine oder andere Ausdruck wird von mir zwar inzwischen gerne mal eingestreut (schatt ja nix), aber gegen grammatikalische Grausamkeiten mit vertauschtem „als“ und „wie“ wehre ich mich vehement. Mittlerweile reichen die Reaktionen von „Du hast ja schon ’n schönen Schnack drauf“ (von einem waschechten Norddeutschen) über „Norddeutsch? Du doch nicht!“ (von einem hessischen Urgestein) bis hin zu „Hahaha Hesseeee“ (von meinem liebsten Teilzeit-Pottmaul). Gut zu wissen, dass man unter Psychologen als Sprachchamäleon als besonders empathisch gilt. Dann finde ich neben dem Job bestimmt auch ein paar Freunde da unten.

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